Ratgeber · 26. Oktober 2026
EU AI Act für den Mittelstand: Was Unternehmen beim Einsatz von KI beachten müssen
Ein Überblick über den EU AI Act aus Sicht mittelständischer Unternehmen, die KI einsetzen: Risikoklassen, Pflichten als Betreiber und die Pflicht zur KI-Kompetenz.
Worum es im EU AI Act geht
Der EU AI Act ist die europäische Verordnung über künstliche Intelligenz. Sie ist im August 2024 in Kraft getreten und gilt gestaffelt. Sie unterscheidet zwischen Anbietern, die KI-Systeme entwickeln oder in Verkehr bringen, und Betreibern, die KI-Systeme in eigener Verantwortung nutzen. Die meisten mittelständischen Unternehmen sind Betreiber.
Die Risikoklassen im Überblick
Die Verordnung ordnet KI-Anwendungen nach ihrem Risiko ein. Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen:
- Verbotene Praktiken: etwa manipulative Systeme oder bestimmte Formen der Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Diese Verbote gelten seit Februar 2025.
- Hochrisiko-Systeme: zum Beispiel KI in der Personalauswahl oder bei der Kreditwürdigkeitsprüfung. Hier gelten umfangreiche Pflichten.
- Begrenztes Risiko: etwa Chatbots oder KI-generierte Inhalte. Hier gelten vor allem Transparenzpflichten, Menschen müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren.
- Minimales Risiko: zum Beispiel Spamfilter oder KI-gestützte Textvorschläge. Dafür gibt es keine besonderen Pflichten.
Pflicht zur KI-Kompetenz
Seit Februar 2025 verlangt Art. 4 von Anbietern und Betreibern, dass Mitarbeitende, die mit KI-Systemen arbeiten, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Das betrifft auch alltägliche Werkzeuge wie Text- oder Übersetzungsassistenten. Gemeint ist ein Verständnis dafür, wie das System arbeitet, wo seine Grenzen liegen und welche Risiken bestehen, etwa beim Umgang mit vertraulichen Daten.
Was Mittelständler jetzt konkret tun sollten
Ein pragmatischer Einstieg besteht aus wenigen Schritten:
- Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme werden im Unternehmen bereits genutzt, auch inoffiziell?
- Einordnung: In welche Risikoklasse fällt jede Anwendung?
- Regeln festlegen: Welche Daten dürfen in welche Werkzeuge eingegeben werden?
- KI-Kompetenz sicherstellen und dokumentieren.
- Datenschutz mitdenken: Der AI Act ergänzt die DSGVO, er ersetzt sie nicht.
Hinweis zum Zeitplan
Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme greifen später als die Verbote und die KI-Kompetenz, und ihr Zeitplan war Gegenstand politischer Nachverhandlungen. Prüfen Sie vor Entscheidungen den aktuellen Stand.
Wichtiger Hinweis: Wir sind keine Rechtsanwaltskanzlei und bieten keine Rechtsberatung an. Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall. Für verbindliche Auskünfte zum EU AI Act wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
